IARU EMC Workgroup opfert Rest des HF-Spektrums

USKA-News berichtete bereits über die letztjährig von der IARU beschlossene Bekämpfung der neuen Norm für PLC-Geräte (PowerLine Communications). Der Norm-Entwurf EN50561 sah vor, dass die Amateurfunk-Bänder durch PLC-Ausrüstungen statisch (permanent) ausgenotcht und somit weitgehend „in Ruhe“ gelassen werden, dass die meisten anderen Bänder im HF-Bereich (3..30 MHz) hingegen „dynamisch“ genotcht werden. Ein Patent der Sony Corporation macht dies möglich: Ein in den PLC-Geräten eingebauter Sony-Chip überwacht das Spektrum auf der (Strom-)Leitung regelmässig und „schaut“, wo (starke) Trägersignale vorhanden sind.

Auf diesen Frequenzen vermutet das Gerät Rundfunk-Stationen (BC) und ist somit in der Lage, die starken, für SWLs in der Nähe hörbaren Broadcast-Stationen auszunotchen und deren Empfang somit zu ermöglichen. Für schwache BC-Signale funktioniert dieser Mechanismus wegen der schlechten Antennen-Eigenschaften der Haus-Strom-Verkabelung natürlich kaum.

 
Die Workgroup musste abwägen, ob die IARU weiterhin das gesamte Kurzwellen-Spektrum „schützen“ soll oder nur noch die Amateurfunk-Bänder. Es gibt ja bereits eine genügend gute technische Norm: Zurzeit gilt für IT-Geräte und somit auch für PLC-Ausrüstungen die am 1. Oktober 2011 in Kraft getretene Norm EN55022:2006.

Es ist Realität, dass heute ausser den Funkamateuren leider in der Schweiz niemand mehr am HF-Spektrum interessiert zu sein scheint. Die Workgroup rechnet damit, dass die letztjährig sehr knapp zustandegekommene Ablehnung des EN50561-Standards bei einer erneuten Abstimmung dieses Jahr von der Macht der Industrie umgestossen wird. Man müsse deshalb wohl oder übel „in den sauren Apfel beissen“, so die Argumentation der Befürworter innerhalb der IARU EMC WG. Vehement gegen EN50561 sprach sich indes die RSGB aus, da damit eine 10‘000-fache Störleistungs-Steigerung (!) gegenüber EN55022:2006 sanktioniert würde. Wird EN50561 in Kraft gesetzt, kann der Kurzwellen-Bereich ausserhalb der Amateurfunk-Bänder in überbauten Gebieten praktisch nicht mehr genutzt werden. Der einzig richtige Weg – so das RSGB-Positions-Papier – sei, den PLC-Geräten einen Teil des Spektrums im Bereich 30 bis 70 MHz zuzuweisen. Eine Ablehnung der Norm wird es auch in Norwegen geben, da die dortige Kriegsmarine das Kurzwellen-Spektrum weiterhin nutzen will.

Die Namens-Abstimmung unter den anwesenden Ländervertretern ergab 10xJa, 2xEnthaltungen und 3xNein (darunter RSGB und USKA). Somit wird EN50561 von der IARU R1 EMC WG befürwortet. Eine doch sehr erstaunliche Kehrtwendung. Damit dürfte der Weg für EN50561 leider geebnet sein. Es ist davon auszugehen, dass nicht alle neuen, auf diesem Standard basierenden PLC-Geräte richtig funktionieren werden, sodass mit einem weiteren Ansteigen des allgemeinen elektromagnetischen Stör-Nebels („electromagnetic fog“) zu rechnen sein wird.

An der stetig wichtiger werdenden EMV-Problematik interessierte USKA-Mitglieder melden sich bitte bei >.

Willi HB9AMC

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